JugendSchach Ausgabe 06/2026

JugendSchach Ausgabe 06/2026

Liebe Leserschaft,

weißer Rauch über Frankfurt beim außerordentlichen Bundeskongress des Deutschen Schachbundes gab es zwar nicht, aber einen neuen Präsidenten hat der DSB trotzdem.
Was waren das für chaotische Wochen vor dem Kongress! Einig war man sich, und selbst das stimmt nicht, dass man die erste Frau an der Spitze des fast 150jährigen Verbandes loswerden wollte. Man wählte sie ab, schickte ein paar warme Worte hinterher und der Blumenstrauß durfte auch nicht fehlen. Wie steht es beim DSB: „Mit Blumen verabschiedete der Kongress sie würdevoll aus dem Amt.“
Wer aber sollte, wollte übernehmen? Natürlich keine(r).
Dann die Meldung, die Hoffnung machte. Der ehemalige Chef der Deutschen Bahn Richard Lutz, ein echter Schachfan, früher Jugendspitzenspieler und C-Kadermitglied, erklärte sich zur Kandidatur bereit. Ein Mann der Wirtschaft, ein Mann mit Führungserfahrung, ein Mann mit einem Netzwerk ist bereit dem DSB in dieser zerfahrenen Situation zu helfen.
Doch die Freude, zumindest bei mir, hielt nicht lange an. Schon gab es erste Gerüchte, dass die Landesverbände in nicht geringer Zahl gar nicht begeistert waren. Das Problem, er wollte mit einem Team, das er sich zusammengestellt hatte, antreten. Erpressung! So nicht! Das Präsidium stellen schon wir zusammen, wir die Landesfürsten.
Und in der Tat, es stellt sich schon die Frage, ob Richard Lutz gut beraten war ohne Vorgespräche, ohne Kontaktaufnahme mit bisherigen Amtsinhabern sein Team zu präsentieren. Warum zum Beispiel wollte er den Vizepräsidenten Verbandsentwicklung Jannik Kiesel opfern? Immerhin endlich ein junger Kopf im Präsidium, dem es gelang andere junge Köpfe zur Mitarbeit in verschiedenen Referentenpositionen zu gewinnen, und dem es in kurzer Zeit gelang einiges auf die Beine zu stellen. Auf einer Videokonferenz, auf der Richard Lutz seine Kandidatur und sein Team präsentierte, fragte Jannik Kiesel ganz direkt, warum er denn nicht mehr eingeplant sei. Immerhin vom Kongress für 2 Jahre gewählt. Darauf wusste Richard Lutz keine plausible Antwort. Er kannte Jannik Kiesel nicht, dessen Arbeit auch nicht. Er wusste nur, ihn gibt es nur mit seinem Team, oder gar nicht. Da müssen dann auch gute Leute geopfert werden.
Für den Teamgedanken gibt es viele gute nachvollziehbare Gründe. Aber es kommunikationslos erzwingen, das ist nicht geschickt.
So kam es wie es kommen musste. Die Kritik hinter den Kulissen wurde stärker und stärker, so dass sich Richard Lutz gezwungen sah seine Kandidatur und die des Teams zurückzuziehen.
Also alles wieder auf Start.
Und plötzlich gab es zwei Kandidaten. Paul Meyer-Dunker, der nach seiner Niederlage gegen Ingrid Lauterbach nichts mehr mit dem DSB zu tun haben wollte, und Niklas Rickmann, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Schachjugend und inzwischen Präsident vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern. Also wieder ein Lagerwahlkampf. Und einer zwischen zwei gleich großen Lagern. Paul Meyer-Dunker wurde mit 116 zu 114 Stimmen bei 1 Enthaltung gewählt.
Auf der DSB-Seite rühmen sich die Großkopferten des DSB wie sachlich, ernst und sachorientiert doch der Kongress verlaufen sei. Doch leider wurde die Zeit vor dem Kongress und während des Kongresses nicht genutzt um Gemeinsamkeit herzustellen, die Lagerbildung zu überwinden. Es bleibt zu befürchten, dass man schon bald wieder was hört vom DSB und seinen Funktionsträgern.

Ich wünsche daher allen Leserinnen und Lesern gute Nerven und trotz alledem viel Spaß mit unserem Hobby Schach und natürlich mit JugendSchach!

Bleibt gesund und zuversichtlich!

Ihr / Euer Jörg Schulz

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